Zur Geschichte des Packhofs

Von Dr. Frank Dietrich

Der Packhof wurde 1669 durch die Einführung der Akzise (Konsumtions- und Gewerbesteuer zur Finanzierung eines Heeres) eingerichtet. Er war damals ein Platz mit Packhofgebäude (Bereich Packhof 2), der Akzisekasse (Hauptstraße 55 / Ecke Packhof) und der Ratswaage (Packhof 34).

Das Packhofgelände wurde um 1900 umgestaltet. Der äußere Graben der Stadtbefestigung wurde zugeschüttet. Es entstand die Packhofstraße mit Mietswohnhäusern.

Teile des Packhofes dienten unterschiedlichen industriellen Nutzungen. 1867 wurde hier beispielsweise die Firma der Gebrüder Wiemann gegründet. Die Schiffswerft, Maschienenfabrik und Eisengießerei nutzten ein Grundstück von ca. 50 000 m² mit 500 m Wasserfront. Die Firma beschäftigte im Laufe der Zeit bis zu 500 Arbeiter und Angestellte und produzierte Schiffe wie Schleppdampfer, Passagierdampfer, Frachtdampfer, Eisbrecher, Fisch- und Transportboote usw. und stellte Ziegeleimaschienen her.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Werft 1948 in Volkseigentum überführt. In der DDR wurde die VEB Ernst-Thälmann-Werft Brandenburg 1962 aufgelöst. Bis zu diesem Zeitpunkt produzierte die Werft 367 Schiffsneubauten.

Nach der Wende 1990 wurde jegliche industrielle Nutzung eingestellt. Es entstand ein Mini-Golfplatz und 2015 eine imposante Grünfläche für die Bundesgartenschau.

Diese Anzeige stammt aus dem Buch über Brandenburg (Havel), herausgegeben vom Magistrat der Stadt Brandenburg (Havel) im „DARI“ Deutscher Architektur- und Industrie-Verlag Berlin-Halensee, 1926 in der 11. Auflage.

anzeige-wiemannwerft