Viele Menschen sorgen sich um den Packhof

Erste Versammlung der Bürgerinitiative zieht mehr als 120 Gäste an, die eine behutsame Wohnbebauung bevorzugen

von André Wirsing

Das Interesse ist groß: Mehr als 120 Menschen drängen am Donnerstagabend in den Saal des Wichernhauses, in den die gerade neu gegründete Bürgerinitiative für einen lebenswerten Packhof eingeladen hatte.

Eine gute Mehrheit ist neben einigen Park-Befürwortern für ein Bebauen des Areals zwischen Neu- und Altstadt direkt an der Havel – dafür ist das Filetgrundstück zu wertvoll und es gibt genügend Interessenten, die im Zentrum wohnen wollen. Eine ebenfalls große Mehrheit wendet sich aber gegen die Pläne für ein Kongresshotel, die von der Verwaltungsspitze seit etwa sieben Monaten vehement verfolgt werden – zu viel Verkehr, zu viel Unruhe, keine ausreichende Begründung für eine Wirtschaftlichkeit des Projektes, zu wenig Schutz für die bereits hier lebenden Anwohner. Diese Sorgen wollen sie gemeinsam mit der Bürgerinitiative artikulieren. Adelheid van Lessen schlägt vor, Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) und die Fraktionsvorsitzenden dazu einzuladen, denn am Ende entscheiden die Stadtverordneten über den Verkauf der knapp drei Hektar großen Baufläche sowie über einen Bebauungsplan. „Wenn dann von der Stadtspitze der Einwand kommt, aber wir haben dem Investor doch zugesagt, dass er ein Hotel bauen darf, dann sagen sie Frau Tiemann, dass der Investor sehr wohl im Wissen darum gekauft hat, dass es noch gar keinen B-Plan gibt.“

Auch Martina Marx, die von der BI als Bauexpertin geladen wurde, ermunterte die Anwohner: „Seien sie laut, artikulieren sie ihre Interessen. Im Sanierungsgebiet gibt es das Instrument der frühzeitigen Bürgerbeteiligung. Die ist bislang noch gar nicht in ausreichendem Maße erfolgt.“ Eine Anwohnerin regt an, öffentlich auf die zu erwartenden Verkehrsprobleme aufmerksam zu machen – mit Plakaten an den Häusern, mit Flugblättern. Auch sollen sich die Anwohner in einer Facebook-Gruppe vernetzen, ergänzt ein anderer.

Nach den bisherigen Plänen der Verwaltung werden Anwohner der Kleinen Münzenstraße und der Packhofstraße künftig auf Inseln zwischen zwei Durchgangsstraßen leben, wenn die Augustastraße geöffnet und parallel zur Packhofstraße eine zweite Fahrbahn hinter den Häusern gebaut wird. Vereinzelten Anwohnerforderungen, den unteren Teil der Hauptstraße freizugeben, erteilt Alexander Karau eine Absage: „Es wäre unsolidarisch gegenüber den Altstadtbewohnern, auf ihre Kosten unsere Verkehrsprobleme lösen zu wollen. Das Problem verlagert sich nur in Ritter- und Klosterstraße.“

In der mehr als eineinhalbstündigen Diskussion bekommen die BI-Mitglieder Boris Angerer, Petra und Frank Dietrich, Erhard Gottschalk und Hanswalter Werner eine ganze Aufgabenliste mit: Kontakte zu Verwaltung und Stadtverordneten herstellen, Informieren der Öffentlichkeit, das Formulieren von Forderungen an einen möglichen Investor, Maßstäbe für eine der vorhandenen Bebauung aus den 1920er- und 30er- Jahren adäquate Architektur formulieren, sind nur einige. Großen Applaus bekommen die BI-Aktivisten für ihre Vorarbeit. Sie engagieren sich nicht gegen ein Projekt, sondern für das Projekt eines lebenswerten Wohngebietes, das auch Strahlkraft für potenzielle Zuzügler hat.

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung vom 21./22. Mai 2016

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