Nachhaltige Baukultur für die Innenstadt

von Moritz Krekeler (27.10.2015)

Der Begriff der Baukultur ist vielschichtig – sie hat gesellschaftliche, wirtschaftliche und soziale Dimensionen und entsteht in einem Kommunikationsprozess verschiedener Mitwirkender. Der Schlüssel zu einem gelungenen Bauprojekt auf dem Packhof liegt in der Beteiligung von lokalen Akteuren, öffentlichen Verwaltungen und externen Fachleuten. Dieses Interessensdreieck ist notwendig, um dem gesellschaftlichen Engagement für ein Vorhaben eine gemeinsame Basis zu geben.

In Brandenburg an der Havel wurde in den letzten Jahren viel für die Baukultur getan. Mit Hilfe von Gestaltungswettbewerben wurden städtebaulich bedeutsame Gebiete entwickelt, die überregional Beachtung finden. Aber auch private Akteure haben mit hochwertiger Architektur wichtige Beiträge geleistet. Diese positive Entwicklung wird über die Stadtgrenzen hinaus wahrgenommen und zieht zunehmend Berufstätige und Familien in die Havelstadt.

Die weitere Entwicklung des Packhofgeländes wird ein wichtiger Baustein für eine positive Stadtentwicklung sein. Das Gebiet muss eine Vorbildfunktion für weitere private und öffentliche Bauvorhaben in Brandenburg erlangen, indem es funktional und gestalterisch zukunftsweisend ist.

Dieses Ziel kann nur durch einen wettbewerblichen Dialog entstehen –jedoch nur sehr eingeschränkt umgesetzt werden, wenn es als reines Investment von einzelnen Interessensgemeinschaften betrachtet wird. Die Einflussnahme der Gemeinde muss während der Planung erhalten bleiben, bei einem Verkauf an einen einzigen Investor sinken die Gestaltungsspielräume erheblich.

Was bedeutet das konkret für den Packhof? Ein Architektenwettbewerb scheint unerlässlich um im Sinne einer geeigneten Umsetzung der Ideen zu handeln. Zwar gab es in der Vergangenheit bereits Wettbewerbe, die teilweise zufriedenstellende Ergebnisse hervorbrachten, jedoch zeigt sich die heutige Situation deutlich anders. Der Stadtwerke-Neubau und die Promenade entlang der Havel haben die städtebaulichen Rahmenbedingungen verändert, zudem ist es unbedingt notwendig, die Eckbebauung Packhofstraße / Eichamtstraße mit in die Planung einzubeziehen. Die öffentliche Aufenthaltsqualität des Packhofs ist immens, wovon man sich während der BUGA ein Bild machen konnte. Die Zukunft des Quartiers besteht aus einer geschickten Verzahnung von öffentlichen, halb-öffentlichen und privaten Bereichen, um nicht nur zukünftige Anwohner, sondern auch die Brandenburger Bürger teilhaben zu lassen. Ein sorgfältig durchgeführter Architektenwettbewerb als Grundlage für den Bebauungsplan kann dieses Ziel erreichen. Eine kleinteilige Parzellierung der Grundstücke bietet auch Familien, Bauinteressierten und Kleininvestoren die Möglichkeit erschwingliche Grundstücke aus der Hand der Gemeinde zu erwerben, um zusammen mit Architekten einen baukulturellen Beitrag im Rahmen des Bebauungsplans zu leisten und durch ihre Investition einen Werterhalt und eine Zukunftsinvestition zu schaffen. Der bisher geplante, verdichtete Wohnungsbau kann ein Mittel sein, solche Ziele zu erreichen. Es sind verschiedene Bautypologien innerhalb des Quartiers möglich – vom Geschosswohnungsbau in der Packhofstraße, bis hin zu 2-3 geschossigen Stadthäusern auf dem Packhofgelände.

Wie so etwas entstehen kann, zeigen deutschlandweit viele Beispiele. Allerdings reicht schon ein Blick in die Landeshauptstadt Potsdam. Mit Hilfe von Entwicklungsträgern werden Quartiere und Entwicklungsgebiete betreut, gesteuert und vermarktet. Diese sogenannten „treuhändischen Entwicklungsträger“ (gem. § 167 BauGB) sind an die Weisungen der Gemeinde gebunden und sind während des gesamten Projektzyklus eingebunden. Sie können den wettbewerblichen Dialog betreuen, den B-Plan aufstellen, die Einhaltung des B-Plans kontrollieren und steuern den Verkauf der Grundstücke. In Potsdam werden ganze Stadtviertel (z.B. Babelsberg) und Entwicklungsgrundstücke (z.B. Bornstedter Feld) so geplant und koordiniert. Dieses Szenario wäre auch für das Packhofgelände zielführend. Eine solche Entwicklungsgesellschaft könnte sowohl privatwirtschaftlich, aber auch aus einem städtischen Unternehmen heraus gegründet werden. Eine derartige Vorgehensweise am Packhof bietet die einmalige Möglichkeit der Teilhabe für verschiedene Interessensgemeinschaften. Für den „Häuslebauer“, für die lokale Bauwirtschaft, für den privaten Anleger oder Kleininvestor, für die Planer und natürlich für die Stadt, die von einem Imagegewinn profitieren würde. Ein lebendiges Quartier auf dem Packhofgelände bringt weitere wichtige Impulse für die Belebung der Innenstadt und könnte auch dazu beitragen, dass die derzeit etwas reizlose Hauptstraße wieder mit mehr Leben gefüllt wird.

Der Weg zu Baukultur auf dem Packhofgelände sollte nun beginnen, indem Fachleute in einem öffentlichen Dialog die vorhanden Ansätze aufs Papier bringen, denn an Ideen mangelt es nicht.

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