Luftreinhaltung durch zusätzlichen Autoverkehr?

Feinstaubmessungen der BI-Packhofgebiet haben ergeben, dass in den Jahren 2016-2017 an 90 Tagen die zulässigen Grenzwerte für PM 10 (Grenzwert 40 μg/m3) und PM 2,5 (Grenzwert 25 μg/m3) in der Kleinen Münzenstraße überschritten wurden. Schnee von gestern? Auch am heutigen Tag lagen PM 10 bei 89,9 μg/m3 und PM 2,5 bei 53,1 μg/m3. Seit 2005 darf auch eine PM10-Konzentration von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter im Tagesmittel nur an höchstens 35 Tagen im Kalenderjahr überschritten werden. Was bedeutet das?

Der Packhof in Brandenburg an der Havel

„Feinstaub der Partikelgröße PM10 kann beim Menschen durch die Nasenhöhle in tiefere Bereiche der Bronchien eindringen. Die kleineren Partikel PM2,5 können bis in die Bronchiolen und Lungenbläschen vordringen und die ultrafeinen Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 μm sogar bis in das Lungengewebe und den Blutkreislauf. Je nach Größe und Eindringtiefe der Teilchen sind die gesundheitlichen Wirkungen von Feinstaub verschieden. Sie reichen von Schleimhautreizungen und lokalen Entzündungen im Rachen, der Luftröhre und den Bronchien oder Schädigungen des Epithels der Lungenalveolen bis zu verstärkter Plaquebildung in den Blutgefäßen, einer erhöhten Thromboseneigung oder Veränderungen der Regulierungsfunktion des vegetativen Nervensystems (z.B. mit Auswirkungen auf die Herzfrequenzvariabilität).“ Siehe auch: www.umweltbundesamt.de/daten/luft/feinstaub-belastung

Städte, wie Brandenburg an der Havel, in denen es Grenzwertüberschreitungen gibt, wurden vom Gesetzgeber dazu verpflichtet, in Luftreinhalteplänen Maßnahmen zur Minderung der Schadtstoffbelastung festzulegen. Welche Maßnahmen des Luftreinhalteplans wurden am 26. April 2017 in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen? Es wurde beschlossen, die Augustastraße für den Verkehr zu öffnen. Die fachliche Begründung des CDUFraktionsvorsitzenden, Herrn Schaffer lautete, dass die Öffnung der Augustastraße zur Verkehrsminderung führe und damit zu Senkung der Schadstoffbelastung. Vor dem Hintergrund der damals diskutierten vollständigen Bebauung des Packhofs und der erwartbaren Zunahme des Verkehrs eine zynische und absurd anmutende Begründung für die Anwohner, vor deren Tür eine zweite Durchgangsstraße geöffnet werden sollte.

Für die Zukunft bleibt zu wünschen, dass allen Brandenburgerinnen und Brandenburgern solche Beschlüsse erspart bleiben und die Stadtführung beim Thema Feinstaub und Verkehrsminderung den Kopf nicht weiter in den Sand steckt.