Grüße aus Brandenburg an der Havel – ein offener Brief an die Investoren

An
Herrn Gert Prantner, RIMC International Hotels & Resorts GmbH
Herrn Thorsten Schütte, premero Immobilien GmbH

Sehr geehrte Herren,

wie geht es Ihnen und dem geplanten Hotelinvestment in unserer schönen Stadt Brandenburg an der Havel? Unsere Bürgerinitiative Packhofgebiet hat seit längerem nichts mehr von Ihnen und den Planungen auf dem Packhof gehört. Sagten Sie beide nicht, Sie hätten sich in das Areal am Packhof verliebt?

Bevor Sie uns die Antwort geben, diese Fragen besser an die Stadtverwaltung zu richten, möchten wir vorausschicken, dass es uns als Bürgerinnen und Bürger zunehmend ermüdet, in vielen Briefen und Anfragen die portionierten Halbwahrheiten der Stadtverwaltung zu erbitten. Sie werden das aus der Hotelbranche kennen. Welcher Gast ist schon zufrieden, wenn das Frühstücksbüffet nicht nachgefüllt wird? Ist es nicht so, lieber Herr Prantner?

Gestatten Sie uns deshalb einige Fragen:
Zur Braut, dem schönen Packhofgelände. Gefällt Sie Ihnen nicht mehr? In ihrem Inneren ist sie voll von Überraschungen. In ihrem Äußeren zeigt sie sich zur Zeit im sommerlichen Gewand. Tagsüber besuchen sie spielende Kinder, Ruhe suchende Erwachsene sind zum Picknick eingeladen. Nachts sind Jugendliche und junge Erwachsene zu Gast, um zusammen mit Freunden bis ins Morgengrauen zu feiern. Sehr viele denken, dass der Packhof ein schöner Platz ist. Das ist schön. Wäre es nicht unfair, die Besucher des Packhofs durch den dunklen Schatten und die Nähe des Hotels zu vergrämen? Schließlich lieben es Kinder, laut zu sein. Und auch Feiernde schätzen einen ruhigen Ort im Grünen, mehr als der Einzelne den einsamen Blick in die uniforme Minibar eines 4-Sterne-Zimmers. Wäre es nicht besser, weniger zu bauen und auf Koexistenz zu setzen? Sozusagen eine Allianz von Minibar und Außerhausverzehr zu bilden?

Zum Umfeld. Gewiss sind wir mitunter unverschämt aufgetreten und mussten Ihren Unterstützern sehr deutlich sagen, dass wir Ihre gemeinsame Idee, den Packhof bis an die Kante zu bebauen, schrecklich finden. Schließlich wurden die Anwohnerinnen und Anwohner nie gefragt. Das Entgegenkommen, das Sie für Ihre Hotelidee erhalten haben, gab es für uns nicht. Vielleicht hat Ihnen Ihr Hamburger und Südtiroler Charme (wohl aber das Geld – wo ist das übrigens?) besser geholfen, als uns die nörgelige Kritik, die uns Brandenburgern häufig zu Eigen ist.
Sie werden bestimmt das grüne P der Hotelgegner in vielen Fenstern und auf vielen Laternenpfählen gesehen haben. Ein rotes H für Hotel wird es in den Fenstern nicht geben. Und meinen Sie, dass Ihre Gäste sich wohlfühlen werden, wenn sie in einem latent ablehnenden Umfeld ihr Bett aufschlagen?

Zum Verkehr. Wenn Sie an einem Wochenende im Sommer in Brandenburg sind, wird Sie die Atmosphäre an der Havel an die Elbe oder an die Kieler Woche erinnern. Boot an Boot fahren auf der Havel vorüber, Jacht an Jacht tuckern im Minutentakt vor sich hin und Ausflugsdampfer verkehren. Man wundert sich über die vielen Wasservögel, die in diesem Treiben geschickt dazwischen manövrieren und den einen oder anderen Happen, der Ihnen vom Ufer zufliegt, erhaschen. Leider werden Ihre Gäste jedoch weniger auf dem in der Regel staufreien Wasserweg anreisen. Es wird zwar gerne behauptet, der Verkehrsstau in der Stadt sei nicht so schlimm und komplexe Verkehrskonzepte könnten Abhilfe schaffen. Sie kennen das bestimmt, wenn die Karte eines 4-Gänge-Menüs viel verheißt und der Havelzander an Zitronenschaum am Ende doch nur fade Tiefkühlware ist? Im Ernst: Könnten Sie sich Ihr Investment auch unter den Bedingungen einer verkehrsarmen Erschließung ohne das unsinnige (weil ökonomisch nicht durchgerechnete) Parkhaus vorstellen?

Zu Ihnen, in Ihrer Rolle als Bräutigam. Wann besuchen Sie einmal wieder unsere schöne Stadt Brandenburg an der Havel. Man hat zur Zeit fast den Eindruck, als sei das Hotelprojekt gestorben? Haben Sie eine hübschere Braut gefunden? Oder ist die Aussteuer noch ein Problem? Haben Sie längst das Weite gesucht und die Oberbürgermeisterin traut sich nicht zu sagen, dass Sie von Ihnen verlassen wurde? Oft ist es besser, reinen Tisch zu machen (passt das nicht auch zu einem Hotel?), als heimlich zu tun?

Sehr geehrte Herren, verzeihen Sie den etwas despektierlichen Ton. Uns ist bewusst, dass gerade gute Umgangsformen das A und O in der Hotelbranche sind. Aber Sie haben sich uns als Ihren Gastgeber für Ihr Hotel ausgesucht. Deshalb wäre es schön zu wissen, ob Sie kommen werden und wann Sie gedenken, abzureisen. Der Packhof ist stark nachgefragt.

Mit freundlichen Grüßen

Boris Angerer
(Mitglied im Sprecherrat der Bürgerinitiative)