Bürgerinitiative für den Packhof

Anwohner wollen behutsames Bebauen mit Wohnungen, aber weder Kongresshotel noch Parkhaus

von André Wirsing

Eine Bürgerinitiative für ein lebens- und liebenswertes Gestalten des Packhofes hat sich nun in der Neustadt gegründet. Bislang besteht sie aus Anwohnern der Kleinen Münzenstraße und der Packhofstraße, gleichwohl stehe sie allen Brandenburgern offen, sagt Gründungsmitglied Hanswalter Werner. „Es dürfen nicht nur die Mieter und Eigentümer aus den betroffenen Straßen mitmachen, alle Interessierte sind willkommen.“ In der kommenden Woche soll es eine erste öffentliche Versammlung geben, die für jedermann offen ist. Ziele der Bürgerinitiative sind eine lebenswerte Innenstadt mit behutsamer Wohnbebauung auf dem Packhof, eine verkehrsberuhigte Zone mit sicheren Wegen für Schulkinder, Fußgänger und Radfahrer. Ein Kongresshotel nebst großem Parkhaus lehne man allerdings ab. Das führe zu einer deutlichen Zunahme des motorisierten Straßenverkehrs. Viele Bewohner der Kleinen Münzenstraße und der Packhofstraße würden dann auf Inseln inmitten des Verkehrs leben, weil nicht nur vor den Häusern, sondern auch dahinter neue Fahrbahnen frei gegeben beziehungsweise errichtet würden.

„Wir sind ja nicht so blauäugig, dass wir einen großen grünen Park auf dem Packhof fordern. Wir wenden uns auch nicht gegen ein Bebauen, sondern nur gegen die Dimensionen“, sagt Werner. Die Initiative werde genau verfolgen, was die bis zum 31. Mai laufende Ausschreibung der drei Hektar großen Baufläche ergebe, welche Bieter mit welchen Zielen und Vorhaben sich beteiligen und wie die Bewertungskommission aus Stadtverordneten, Verwaltern und Fachleuten arbeite. Das Gremium wurde erst Ende April bestimmt, noch gibt es nicht einmal einen Termin, bei dem man sich auf eine Bewertungsmatrix verständigen soll, um die verschiedenen Offerten der Bieter um das Filetgrundstück an der Havel vergleichbar zu machen.

„Wir haben auch schon Gespräche mit Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann sowie dem Baubeigeordneten Michael Brandt angestrebt“, sagt der BI-Sprecher. In einem in der Packhofstraße und Umgebung verteilten Flugblatt schreibt er: „Auf unsere Bedenken und Schreiben an die Stadtverwaltung haben wir bisher keine zufriedenstellenden Antworten erhalten. Wir denken, dass nur eine Bürgerinitiative unseren Interessen Gehör verschaffen kann.“

Brandt hatte schon vor drei Wochen gesagt: „Ich würde das Gründen einer Bürgerinitiative befürworten. Dann haben wir feste Ansprechpartner und können offen kommunizieren, um Lösungen zu finden.“ Das sei besser, als sich mit einer Vielzahl von Einzelmeinungen auseinder zu setzen – wenn diese überhaupt klar geäußert werden und nicht in einem indifferenten Grummeln verschwänden. Das hat Brandt auch zu Werner am Rande der jüngsten Stadtverordnetenversammlung gesagt. „Da stimmen wir überein. Der Packhof ist das Herz der Innenstadt. Da sollten die Bürger mitreden dürfen und nicht nur die Stadtverordneten.“

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung vom 13. Mai 2016

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